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Hamburger Abendblatt: Anpfiff in der St.-Pauli-Kirche
23.05.2006 | Hamburger Abendblatt: Anpfiff in der St.-Pauli-Kirche

Anpfiff in der St.-Pauli-Kirche

WM: Treffpunkt für Kinder und Jugendliche. Damit auch junge Fußballfans etwas von der WM haben, gibt's in der St.-Pauli-Kirche die Aktion "Balleluja".

Von Ann-Britt Petersen

Mitfiebern, wenn die Lieblingsmannschaft spielt, andere Fußballfans treffen und gemeinsam über Tore jubeln - das können Kinder und Jugendliche während der Fußballweltmeisterschaft an einem besonderen Ort: in der St.-Pauli-Kirche. An fünf Wochenenden wird das Gotteshaus für junge Fans aller Konfessionen quasi zum Stadion.

Auf einer Großbildleinwand vor dem Altar werden alle Spiele zwischen 14 und 20 Uhr live übertragen, am Finalwochenende auch die Spiele um 21 Uhr.

"Balleluja" heißt das Motto, unter dem die Gemeinde als offizielle WM-Jugendkirche zum Fußballgucken einlädt. Gemeinsam mit dem WM-Fanoffice, einem Projekt der Stadt Hamburg, wurde die Aktion konzipiert. Sie ist speziell auf junges Publikum zwischen zehn und 17 Jahren ausgerichtet. Deshalb sind Alkohol und Nikotin verboten. Auch der Kommerz ist, anders als bei öffentlichen Veranstaltungen, ausgeschlossen. "Die Kinder finden hier einen geschützten Raum, in dem sie Fußball so erleben können, wie er ist: ein Spiel elf gegen elf" erklärt Michael Thomsen, Sozialpädagoge und Fanbeauftragter vom WM-Fanoffice.

Ansprechen soll das Programm neben Gästen besonders Kinder und Jugendliche zwischen Hafenstraße und Reeperbahn. Hier leben viele fußballbegeisterte Kinder in sozial schwachen Familien. "Auch sie sollen an der WM teilhaben und nicht nur über den Zaun gucken", sagt Pastor Martin Paulekun, dessen Gemeinde sich seit langem in der Kinder- und Jugendarbeit vor Ort engagiert.

Aber warum soll Fußball ausgerechnet in der Kirche stattfinden? "Fußball faßt in 90 Minuten die ganze Dramatik des Lebens zusammen", erklärt der Pastor. Für diese Thematik können sich Paulekun und sein Kollege Pastor Sieghard Wilm keinen besseren Ort vorstellen: "Wir holen das Leben in die Kirche und die Kirche mitten ins Leben", so Martin Paulekun. Er setzt auch auf die besondere Ausstrahlung des Raums: "Da guckt man anders Fußball als zu Hause", ist er sich sicher. Vor den Übertragungen wird es kleine Ansprachen oder Filme zum Thema geben, eine Fotoausstellung zeigt Kinder aus allen Nationen.

Auch vor der Kiez-Kirche auf dem Pinnasberg mit Blick auf die Elbe und das Hafendock 11 geht es weiter. "Fußball vermittelt Werte wie Respekt und Fairness, das greifen wir im Rahmenprogramm auf", so der Pastor. Vom Torwandschießen bis zur Streetsocceranlage, von Info-Ständen über Drogen oder Fairen Handel bis zum Theaterstück über junge Flüchtlinge reicht das Angebot, dazu gibt es Musik und günstiges Essen.

Damit alles friedlich bleibt, gelten zehn Gebote für Fair Play. 30 Jungen und Mädchen aus dem Stadtteil lassen sich zu Streitschlichtern ausbilden und werden zu Ansprechpartnern für Besucher. "Wir rechnen mit vielen Gästen auch aus dem Ausland", sagt Martin Paulekun und freut sich, daß die Kiezjugend in eine aktive Rolle schlüpft: die der Gastgeber.