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Die Welt: Comeback als freundliche Handyberater
08.12.2003 | Die Welt: Comeback als freundliche Handyberater

Die Kreativ-Agentur Red Rabbit hat den Service-Provider Mobilcom nach der Krise neu positioniert.

In der chinesischen Mythologie steht das rote Kaninchen für Glück, gute Geschäfte und tugendhafte Herrschaft - keine schlechte Idee also, eine Werbeagentur Red Rabbit zu nennen. Die Hamburger Kreativschmiede gleichen Namens, die vor eineinhalb Jahren gegründet wurde und zum Network von Leo Burnett gehört, hat sich schon nach kurzer Zeit gut entwickelt: Anfang 2003 übernahm das Team um Eva Jung (CD Text), Jochen Matzer (Beratung), Dominik Monheim (CD Art) und Dietlinde Paetzelt (Planning) den Kunden Philips, im Sommer konnte man den Etat des Service-Providers Mobilcom ins Haus holen.

Während andere Kreative gern über die Arbeit in ihren Networks stöhnen, geben sich die Red Rabbits in dieser Hinsicht ganz entspannt. Was viele als Quadratur des Kreises ansehen, nämlich die Vorzüge einer internationalen Werbefirma mit denen einer inhabergeführten Agentur zu verbinden, scheint in der Altonaer Fabriketage zu funktionieren.

"Wenn man wie wir in wirtschaftlich schwierigen Zeiten startet, in denen die Budgets immer kleiner werden, dann ist es gut, einen potenten Partner im Hintergrund zu haben", meint Jochen Matzer. Das gebe auch den Kunden Sicherheit. "Die brauchen keine Angst zu haben, dass bei einer jungen Agentur wie der unsrigen sofort wieder die Lichter ausgehen."

Zwischen Network und Agentur finde ein reger Austausch statt, ergänzt Eva Jung: "Wir haben zum Beispiel den Kollegen in London und Frankfurt bei großen Pitches geholfen. Dabei schaffen wir uns wichtige Kontakte." Außerdem sei es schön, im Mutterland der Werbung wahrgenommen zu werden - was für einen deutschen Kreativen ja nicht selbstverständlich sei.

Beim Frankfurter Network-Partner Michael Conrad & Leo Burnett nutzen die Hamburger unter anderem die Marktforschung und die Verwaltung. "Das hält bei uns die Strukturen schlank", erklärt Matzer. Außerdem könne man auf Spezialisten zurückgreifen: Beim Dreh für die Weihnachtskampagne von Mobilcom erhielt das Team Unterstützung durch die FFF-Abteilung aus Frankfurt. Drei der Spots laufen im Fernsehen - sie zeigen einen Weihnachtsmann, der schon alle (Handy-)Geschenke im Sack hat, beim Urlaub unter Palmen.

Für Mobilcom zu arbeiten, sei eine besondere Herausforderung, meinen Matzer und Jung. Das Telekommunikationsunternehmen, das lange Zeit vor der Pleite stand und einen harten Sanierungskurs hinter sich hat, musste erst wieder um Vertrauen werben - bei Investoren und Kunden. "Als erstes haben wir eine Image-Kampagne zur Hauptversammlung gemacht", so Matzer. "Darin hat sich Mobilcom bei den Aktionären, die dem Unternehmen während der Phase der Ungewissheit die Treue hielten, bedankt."

Vertrauen zu schaffen und Solidität zu vermitteln, waren auch bei der Positionierung der Marke wichtige Stichworte: "Der Mobilfunkmarkt ist von permanenter Innovation gekennzeichnet. Der Verbraucher weiß kaum noch, was sein Handy alles kann, und sucht nach Service", sagt Matzer. "In unserer Kampagne haben wir Mobilcom daher nicht zum Tiefpreiskämpfer, sondern zum freundlichen Handyberater gemacht."

Weil Mobilcom Sponsor des FC St. Pauli ist, durften die Red Rabbits auch beim Kiezclub tätig werden. Sie ernannten den Verein zum "Weltkulterbe", der auch nach der Rettung vor der Pleite gehegt werden muss. "Damit haben wir dem Wort ,Kult', mit dem die Fans eigentlich ein Problem haben, eine neue Bedeutung gegeben", meint Eva Jung. Die Rückseiten des Stadionmagazins wurden mit Anzeigen gestaltet, die den Titelblättern bekannter Zeitschriften nachempfunden wurden. Über das Weltkulterbe berichteten unter anderem der "Spieler" ("Spiegel") und die "Torpanik" ("Titanic").

In Zukunft will die Agentur aus Altona weiter expandieren. Auf Projektbasis arbeite man derzeit auch für den Bauer Verlag und Sport Scheck, so Matzer. Hinzu kämen Kunden aus den Bereichen Spirituosen und Softdrinks, die nicht genannt werden dürften. Red Rabbit Leo Burnett hat 18 Mitarbeiter. Über den Honorarumsatz werden keine Angaben gemacht.